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"Ich liebe Chansons, die es den Menschen ermöglichen,
sich der Schönheit des Lebens be-wusst zu werden, und Balladen
über kleine Dinge, die ebenfalls unsere Gegenwart zum Aus-druck
bringen." So formulierte Maryla Rodowicz Ihr künstlerisches
Anliegen Mitte der 70er Jahre.
Ihre Karriere in Polen begann 1967. Die damals 21-jährige
Maryla gewann das Festival des Studentenliedes in Krákow.
1968-1971 folgten Preise in Sotschi und beim Festival des
polni-schen Liedes in Opole. Sie war bereits beliebteste polnische
Rundfunkinterpretin, als sie 1973 den "Grand Prix du
Disque", den Hauptpreis des Internationalen Liederfestivals
in Sopot zu-sammen mit dem Publikumspreis in Empfang nehmen
konnte. Viele weitere Ehrungen folgten in den nächsten Jahren.
Längere Auslandsgastspiele u.a. in der Sowjetunion, der CSSR
und England halfen ihr, den eigenen unverwechselbaren Stil
zu prägen.
In der DDR entstanden erste deutschsprachige Aufnahmen ihrer
polnischen Hits: Kleine Eisenbahnballade (Ballada wagonowa),
Der Teufel sitzt vorm Paradies (Diabe³ i raj), Es zieht ein
Lied durchs Land (Powo³anie), Und es fahren bunte Wagen (Jad±
wozy kolorowe) und schließlich Marja (Ma³go¶ka). Sie gewann
den Preis des Ministers für Kultur für ihren erfolg-reichen
Auftritt im "Schlagerstudio", einer Hitparade des
DDR-Fernsehens.
Nachdem sie bereits 1969 mit einem englischen Titel bei Radio
Luxemburg aufgetreten war, gastierte sie mit einem deutschen
Titel ("Marja") in der "Aktuellen Schaubude"
des Nord-deutschen Rundfunks in Hamburg.
Die DDR-Plattenfirma Amiga veröffentlichte 1974 eine LP mit
10 Songs mit Maryla Rodo-wicz, davon sechs deutsche Aufnahmen
von polnischen Katarzyna-Gaertner-Hits und ein neuer polnischer
Song aus der Feder Czes³aw Niemens. Bis 1978 kamen weitere
13 Songs in deutscher Sprache auf Amiga-Singles bzw. -Samplern
heraus.
Die Wahl des Polen Karol Wojty³a 1978 zum Papst und die späteren
Aktivitäten der polni-schen Gewerkschaft Solidarno¶æ führten
in der DDR auf kulturellem Gebiet zu einer weitge-henden Ausgrenzung
polnischer Künstler. Ob Maryla Rodowicz, ob Rote Gitarren,
Czes³aw Niemen oder Skaldowie - es gab nach 1980 keine DDR-Plattenveröffentlichungen
mit polni-schen Künstlern mehr.
Maryla Rodowicz hatte nach 1980 nur noch vereinzelt die Möglichkeit,
in der DDR Konzerte zu geben und Aufnahmen zu produzieren.
DDR-Rundfunkaufnahmen ihrer damaligen polni-schen Hits wie
"Steig in den Zug" (Remedium, 1978), "Ihr Tauben
dieser Welt" (Go³êbi-Song, 1983) oder "Gute Nacht,
meine Herren" (Dobranec panowie, 1986) verschwanden kaum
gespielt in den Rundfunkarchiven. 1987 trat Maryla Rodowicz
noch einmal live in einer Chansonsendung der Sängerin Gisela
May im Fernsehen der DDR auf.
Die politische Wende in Deutschland 1989/1990 hatte zunächst
eine Dominanz westdeutscher Unterhaltungskünstler auch im
Osten des Landes zur Folge. Ostdeutsche Künstler wurden von
den Medien und zum Teil auch vom Publikum gemieden - bekannte
Interpreten aus Polen, der früheren Sowjetunion, Bulgarien,
Rumänien oder Ungarn hatten in ihren Ländern wohl ähnli-che
Probleme und kaum eine Chance, in Deutschland auftreten zu
dürfen.
Erst 1997 rief das MDR-Fernsehen die Sendung "Wiedersehen
macht Freude" mit dem Ziel ins Leben, einst in der DDR
populäre Künstler wieder auf dem Bildschirm präsent werden
zu lassen. Maryla Rodowicz war eine der ersten.
Ebenfalls 1997 wurden von MDR und ORB ein halbstündiges Interview
mit Liveauftritt von Maryla Rodowicz und ein 90-minütiger
Report über aktuelle Projekte polnischer Unterhal-tungskünstler
wie Maryla Rodowicz, Urszula Sipiñska, El¿bieta Dmoch (2+1),
Seweryn Krajewski (früher Rote Gitarren), Zdzis³awa So¶nicka
oder Halina Fr±ckowiak produziert. Eine nachhaltige Wirkung
blieb bis heute aus. Im Gegensatz zu den 70er Jahren in der
DDR hat es im vereinten Deutschland anspruchsvolle und nicht
im rein kommerziellen Interesse produzierte Musik schwer,
eine Chance zur Präsentation und damit Gehör zu finden.
Maryla Rodowicz überzeugte ab Mitte der 90er Jahre in Polen
wieder mit neuen CDs, egal ob in Warschau oder London produziert.
Zu ihren Stärken zählen nach wie vor tiefgründige Pop-Balladen,
aber auch mit der Neubearbeitung von Latino-Rhythmen (CD "Karnawa³
2000") oder polnischer Volksweisen (CD "Marysia
biesiadna") feierte sie neue Erfolge und gehört nach
wie vor zur Spitze beim östlichen Nachbarn Deutschlands. Mit
dem Doppelalbum "Tri-bute to Agnieszka Osiecka"
setzte sie der in Polen bekannten Textautorin ein Denkmal.
Ab Ende 2002 stellt Maryla Rodowicz in Konzerten Songs ihrer
aktuellen CD "¯ycie ³adna rzecz" vor, darunter die
erste Auskopplung "Marusia" und eine Neuaufnahme
von "Nie ma jak pompa"(Uralte Filme). Die meisten
neuen Songs schrieb Seweryn Krajewski.
Auftritte und neue CDs in Russland und Tschechien sind geplant.
Für die deutschen Fans blieben nur wenige Termine. Für die
Zukunft gibt es die Hoffnung, dass es doch einmal all die
deutschsprachigen Songs der 70er und 80er auf CD geben wird
und neue Projekte entstehen.
Der Fan-Kult um Maryla Rodowicz in Polen hat einen Namen:
Marylomania. Vielleicht trägt der Beitritt Polens zur EU dazu
bei, dass man das dann auch in Deutschland weiß.
Mit
besten Dank für die redaktionelle Unterstützung von Herrn
Heinz
Hafernkorn , email marylomania@freenet.de
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